Spiele Magazin – free-to-play Spiele

free-to-play Spiele

Der Boom der free-to-play Spiele – Ein Geschäftsmodell mit Zukunft

Durchstöbert man das Internet auf der Suche nach Spielen, stößt man immer häufiger auf kostenlose Spieleangebote.
Diese Spiele sind auch als free-to-play Spiele bekannt und erfahren eine immer größer werdende Beliebtheit in der Gaming Szene.

Einige große Spieletitel wie Tera, World of Tanks, League of Legends oder World of Warships haben sich erfolgreich als free-to-play Spiele etabliert und sind nicht mehr aus der Gaming Szene wegzudenken.

Wie es scheint, können die free-to-play Spiele einfach völlig kostenlos direkt im Internetbrowser gespielt werden – sog. Browsergames – oder vom Internet auf den PC heruntergeladen werden, die sog. Client-Spiele. Trügt dieser Schein?

Was steckt eigentlich hinter diesem free-to-play Spiele Angebot? 

In früheren Zeiten betrieben die Spiele-Entwickler ausschließlich eine Vermarktungsstrategie ihrer Spiele, bei der ein Spiel nur gegen Bezahlung gespielt werden konnte. Diese Vermarktungsstrategie wird auch buy-to-play genannt.

free-to-play Spiele World of Tanks

Seit geraumer Zeit haben viele Spiele-Entwickler ihre Vermarktungsstrategie geändert oder dahingehend ergänzt, dass sie den Spielern ermöglichen kostenlos auf die Onlinegames zuzugreifen und sie zu spielen.

Diese Vermarktungsstrategie der Spiele-Entwickler wird gemeinhin auch als free-to-play bezeichnet.

Über free-to-play Spiele freut sich selbstredend jeder Spieler – wirft aber auf der anderen Seite die Frage auf: Wieso free-to-play?

Haben die Spiele-Entwickler ihre kommerzielle Ausrichtung urplötzlich für das Gemeinwohl der Gaming Szene auf kostenlos umgestellt?

Ganz im Gegenteil! Mit dem Vertriebsmodell free-to-play Spiele werden seit Jahren schwarze Zahlen geschrieben. Das Konzept free-to-play gehört für die meisten Spiele-Entwickler zu einen der umsatzstärksten Sparten.

free-to-play Spiele - Umsatz virtueller Zusatzinhalte 2010

Quelle: Statista 2016 und Deloitte

Die free-to-play Spiele erzielen Umsätze von über einer halben Milliarde Euro

Laut den Daten des Marktforschungsunternehmens GFK und dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V. (BIU), konnten die free-to-play Spiele-Entwickler im Jahr 2015 Mehreinnahmen von 18% verzeichnen.

Damit stiegen deren Umsätze im Jahr 2015 auf fulminante 562 Millionen Euro an. Im Vorjahr 2014 lagen diese gerade einmal bei 477 Millionen Euro.

free-to-play Spiele - BIU deutscher Markt für Digitale Spiele

Quelle: BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V.) und Marktforschungsunternehmen GFK

Wie können solche Umsatzerlöse mit free-to-play Spiele erzielt werden?

Die free-to-play Spiele sind grundsätzlich komplett kostenlos spielbar. Umsatz erzielen die Spiele-Entwickler, indem sie neben den kostenlosen Spielinhalten, den Erwerb von Zusatzangeboten in Ingame-Shops anbieten.

Gängige kostenpflichtige Zusatzangebote sind besondere Premium-Mitgliedschaften, die dem Spieler bestimmte Vorzüge gewähren.

Des Weiteren besteht für den Spieler auch die Möglichkeit das Erscheinungsbild seines Avatars, also seiner Spielfigur zu individualisieren.

Zum Beispiel kann der Spieler virtuelle Güter wie besonders prächtige Rüstungen, Schutzschilde oder Schwerter erwerben und damit seinen Avatar ausstatten.

Beispiele: Im online Spiel Desert Operations können die Spieler ohne Premium-Mitgliedschaft nur ein Gebäude in der Bauschleife bauen. Mit der kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft können die Spieler  mehr als ein Gebäude der Bauschleife hinzufügen. Damit können sie mehrere Gebäude gleichzeitig Bauen.

Im online Spiel Metin2 können unter anderem kostenpflichtig besondere Frisuren gekauft werden, um den Avatar zu individualisieren.

Weiterhin können auch Emotions-Masken für den Avatar erworben werden. Ist der Avatar eines Spielers mit einer solchen Maske ausgestattet, kann der Spieler den Avatar eines anderen Spielers küssen oder mit ihm tanzen.

Damit sich der Spieler schneller in der virtuellen Welt fortbewegen kann, besteht häufig auch die Möglichkeit Fortbewegungsmittel wie Reittiere zu erwerben. So können Drachen, Pferde und andere Kreaturen gekauft werden.

Im online Spiel Metin2 können beispielsweise Löwen oder Wölfe für 99 Drachenmünzen gekauft werden. (Stand 2015)

Wie werden in den free-to-play Spiele die Zusatzangebote bezahlt?

Die Zusatzangebote werden bezahlt, indem der Spieler Echtgeld in eine virtuelle Spielwährung wechselt. Das Tauschverhältnis von echtem Geld zur virtuellen Währung wird vom Spieleanbieter vorgegeben. Nach der Bezahlung wird die virtuelle Währung dem Spieleraccount gutgeschrieben.

free-to-play Spiele Tera

Der Spieler kann die Zusatzangebote solange nutzen, bis seine virtuelle Währung aufgebraucht ist und diese wieder vom Spieler aufgeladen werden muss.

Die meisten Spiele haben unterschiedliche virtuelle Spielwährungen. So bezahlt man in dem einen Spiel mit Diamanten, Gold, Öl oder Sternen und im nächsten mit Pilzen, Rubinen, Früchten oder Donuts.

Meistens gibt es in free-to-play Spiele zwei verschiedene virtuelle Währungen.

In free-to-play Spiel findet man häufig, auch mehrere verschiedene virtuelle Spielwährungen vor.

Die eine Sorte, der virtuellen Spielwährungen stellt das übliche Zahlungsmittel für Transaktionen im Spiel dar. Diese Sorte der virtuellen Spielwährungen steht jedem Spieler zur Verfügung und kann von diesem gesammelt werden.

Mit der zweiten Sorte, der virtuellen Spielwährungen kann der Spieler, die kostenpflichtigen Zusatzangebote bezahlen.

Diese zweite Sorte, der virtuellen Währungen, können von den Spielern, welche kein Geld in die free-to-play Spiele investiert haben, nur in sehr geringen Umfang während des Spielverlaufs gesammelt werden oder aber, dies ist überhaupt nicht möglich.

Beispielsweise kann im online Spiel Pirate Storm, die virtuelle Spielwährung „Diamanten“ von jedem Spieler in sehr geringen Mengen, während des Spiels gesammelt werden. Mit der Spielwährung „Diamanten“ werden die kostenpflichtigen Zusatzangebote gekauft.

Primär steht aber die zweite Sorte, der virtuellen Spielwährungen, ausschließlich den zahlenden Spielern für den Erwerb der Zusatzangebote bereit.

Im Spiel World of Tanks steht die erste Sorte, der virtuellen Spielwährung „Silbermünzen“ jedem Spieler für den Kauf von Panzern oder anderen Ausrüstungsgegenstände bereit.

Ein kostenpflichtiges Zusatzangebot im online Spiel World of Tanks sind Garagenstellplätze, die für weitere Panzer gekauft werden können. Diese zusätzlichen Garagenstellplätze bezahlt der Spieler mit der zweiten Sorte, der virtuellen Spielwährung „Goldmünzen“.

Im Spiel League of Legends können mit der zweiten Sorte, der virtuellen Spielwährung „Riot Points“ kostenpflichtige Zusatzangebote bezahlt werden. Dagegen stellt die Spielwährung „Einflusspunkte“ das Zahlungsmittel für alle anderen, nicht kostenpflichtige Transaktionen dar.

Im online Spiel Metin2 gibt es sogar vier virtuelle Spielwährungen. Im Ingame-Shop werden die kostenpflichtigen Zusatzangebote mit „Drachenmünzen“ bezahlt. Als Extra für den Kauf eines kostenpflichtigen Zusatzangebots, erhält der Spieler die virtuelle Spielwährung „Drachenmarken“ gutgeschrieben.

Mit denen er wiederum im Item-Shop einkaufen kann. Die virtuellen Spielwährungen Yang und Won sind das Zahlungsmittel für alle anderen Transaktionen im Spiel, welche sich nicht auf kostenpflichtige Zusatzangebote beziehen.

Die free-to-play Spiele als Kostenfalle?

Die Tatsache, dass mit einer virtuellen Währung, die Zusatzangebote bezahlt werden verleitet häufig Spieler dazu, mehr Geld für das Spiel auszugeben als eigentlich gewollt.

Durch das Bezahlen mit einer virtuelle Währung, verlieren die Spieler leicht den Bezug zu dessen wahren Wert. Die wenigsten Spieler behalten wohl den Überblick darüber, wie viel Euro nun 15.000 Goldmünzen oder 327 Drachenmünzen tatsächlich entsprechen.

Wie bereits oben erwähnt konnten (Stand 2015) im online Spiel Metin2 Reittiere wie Löwen oder Wölfe für 99 Drachenmünzen gekauft werden.

Der Spielanbieter Gameforge legte (Stand 2015) für das online Spiel Metin2 einen Wechselkurs von Echtgeld zur virtuellen Spielwährung von 99,99 € zu 2400 Drachenmünzen fest.

Diese Tatsache führt unter Umständen dazu, dass die Spieler für free-to-play Spiele im Laufe der Zeit mehr Geld in die Spiele investiert haben, als hätten sie sich für ein herkömmliches buy-to-play Spiel entschieden.

Dennoch werden die Zusatzangebote gerne von den Spieler angenommen. Diejenigen Spieler die in free-to-play Spiele Geld investieren, konnten zunächst für unbegrenzte Zeit das Spiel kostenlos spielen und vor allem testen.

Den Impuls Geld in das Spiel zu investieren, entstand aus Begeisterung und Gefallen den sie an diesem Spiel gefunden haben.

Hört sich eigentlich nach einer klasse Sache an – erst spielen und testen – dann bei Gefallen bezahlen. Im Vergleich zu der herkömmlichen Variante – bezahlen, dann herausfinden, ob das Spiel den Geschmack trifft – oder, ob man die Katze im Sack gekauft hat.
free-to-play Spiele World of Warships

Die free-to-play Spiele sind auch in der eSport Welt nicht wegzudenken

Man mag es vielleicht kaum glauben, aber einige der bedeutendsten eSport Spiele sind free-to-play Spiele, welche Massen von Fans um sich scharren.

Bedeutendste Vertreter unter den free-to-play eSport Spielen sind, das von Wargaming entwickelte Spiel World of Tanks, das legendäre Spiel Dota2 vom Spiele-Entwickler Valve und natürlich das von Riot Games entwickelte Rollenspiel League of Legends. Jedes dieser free-to-play Spiele kann absolut kostenlos gespielt werden.

In den großangelegten jährlichen eSport Meisterschaften, erwartet die Siegertems mehr als die bloße Anerkennung der Fans. Riesige Preisgelder in Millionenhöhe werden an die Siegerteams, der bedeutendsten free-to-play Spiele ausbezahlt. Im Jahr 2015 wurden bei dem alljährlich stattfindenden Turnier The International, an das Siegerteam im Pc Spiel Dota2, sage und schreibe 6,1 Mio. Euro ausgezahlt.

Was zeichnet gute free-to-play Spiele aus?

Das wohl wichtigste Merkmal von guten free-to-play Spielen ist, dass sowohl die Spieler, die ohne Investitionen die free-to-play Spiele spielen, als auch die zahlenden Spieler, absolut gleiche Chancen auf einen Sieg haben.

Die Zusatzangebote dürfen von den Spiele-Anbietern nicht derart gestaltet sein, dass man durch den Erwerb eines Zusatzangebotes irgendeinen Vorteil erlangt, den ein kostenlos spielender Spieler nicht auch hat.

Deshalb zielen die meisten Zusatzangebote in den free-to-play Spielen auch auf das Erscheinungsblid des Avatars ab, auf Transportmittel wie Reittiere oder auf zusätzliche Spielerweiterungen wie extra Levels.

Natürlich gibt es auch wie in jeder Branche „schwarze Schafe“ unter den free-to-play Spiele Anbietern. Wird die Chancengleichheit auf einen Sieg durch den Erwerb von Zusatzangeboten aufgehoben, werden diese Spiele in der Gamingszene auch gerne als pay-to-win Spiele abgestempelt.

Die free-to-play Spiele sind nicht nur auf dem PC ein Dauerbrenner

Besonders beeindruckend sind die Daten zu den Umsätzen, die aus dem Kauf von Zusatzangeboten von Tablet und Smartphone-Apps stammen.

Laut den Daten von GFK und BIU wurden im Jahr 2015 rund 315 Millionen Euro durch Spiele-Apps eingenommen. Davon entfielen alleine 295 Millionen Euro auf free-to-play Spiele Apps durch den Verkauf von Zusatzangeboten.

Man muss sich nur einmal die Entwicklungen der vergangenen Jahre in der deutschen Gamingszene bei Computer- und Videospiele vor Augen halten. Diese erzielten einen  Umsatz von 2,81 Milliarden Euro im Jahr 2015 laut GFK und BIU.

Unter Anbetracht der Tatsache, dass davon 562 Millionen Euro alleine auf free-to-play Spiele entfielen, bleibt festzuhalten, dass uns die free-to-play Spiele wohl auch in den nächsten Jahren erhalten bleiben und stundenlangen Spielspaß garantieren.

free-to-play Spiele - BIU Umsatzzahlen Mikrotransaktionen

Quelle: BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V.) und Marktforschungsunternehmen GFK